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"Wenn's Spaß macht"



Berliner Zeitung vom 25./26.6.1994:
Zwei Jahre haben die Autorinnen Jana Matthes und Andrea Schramm für ihre Reportage um Sado-Masochismus recherchiert. Der Zeitaufwand hat sich gelohnt. Weder voyeuristisch-lüstern noch prüde-verbrämt präsentieren sie ihre Sicht auf eine der letzten Grauzonen der Lust. Peitschen, Handschellen und Ketten sind zwar nicht jedermanns bevorzugtes Liebeswerkzeug und bis heute in der Gesellschaft als abnorme Verirrung gebrandmarkt. Dennoch plädierten die Autorinnen für Toleranz. Jeder soll tun dürfen, was dem anderen gefällt. Wogegen nichts einzuwenden ist. Zumal laut Statistik auch ihr Nachbar von derlei Folterspielen träumt. Oder eben sie. Wie diese Phantasien praktisch umgesetzt werden, zeigen Jana Matthes und Andrea Schramm am Beispiel.
Yvonne empfindet Lust am Schmerz, während es Jan Spaß bereitet, sie an Ringen festzubinden. "Fixieren" nennt er das. Als es nun ans Hauen und Stechen geht, fährt die Kamera dicht an Yvonnes verzerrtes Gesicht. Momente, in denen man lieber wegschauen möchte, weil es schwer nachvollziehbar bleibt. Aber, so die Autorinnen, waren die Diskussionen um Schwule und Lesben vor 20 Jahren nicht von derselben geifernden Art, wurde ihre Form zu lieben nicht ebenso mit unflätigen Worten bedacht? Und wer entscheidet über Normales und Perverses, wenn nicht die Akteure? Wenn's denn Spaß macht.