zurück...

"Spielräume einer Gesellschaft im Umbruch"



Funkkorrespondenz/dpa vom 12.3.2004:

Der zweite Film der arte-Themenabends "92 Quadratmeter Russland" ist eine Milieustudie aus St. Petersburg: Er ist emotional dicht und hat eine konsequent durchgehaltene Dramaturgie.
Dieser Dokumentarfilm bewegt sich mit durchdachter Kameraführung fast ausschließlich in den beengten Räumen einer russischen (staatlich verordneten) Zwangswohngemeinschaft in einem heruntergekommenen Haus in der Petersburger Altstadt. Es gibt nur wenig Außenaufnahmen, die in erster Linie dazu da sind, Stimmung und Atmosphäre des Films zu stützen. Er zeigt viele Bilder, die zunächst äußere Tristesse signalisieren, die aber durch die zum Ausdruck kommende Individualität, den Humor und den Lebensmut der vorwiegend weiblichen Bewohner aufgehellt werden.
Besonders die Art und Weise, wie die Personen porträtiert werden, steht für die Qualität des Films. Die Filmemacherinnen, die offenbar das Vertrauen der Bewohner erworben haben, bringen sie mit behutsamen Fragen vor der Kamera zum Sprechen und Agieren, das selbst dort sehr authentisch wirkt, wo es explizit für die Kamera provoziert wird.
Eine intensive Momentaufnahme, die vollkommen in seinen Bann zieht.

Brigitte Knott-Wolf