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"Weiche Bilder"
Süddeutsche Zeitung vom 18.9.97:
Plattenbauten, dazwischen ein sandiger Spielplatz mit ein paar Büschen drumherum. Der Weg mittendurch ist die unsichtbare Grenze. Hier treffen sich die deutschen Jugendlichen, dort "die Russen".
Sie sehen alle gleich aus, sehr kurze Haare, mißtrauischer Blick. Warum sind die hier? fragen die Deutschen, die sollen dahin zurückgehen, woher sie kommen. Würden sie ja auch gern, "die Russen", die eigentlich Deusche sind, irgendwie, aber Deutsch mit Akzent sprechen oder gar nur radebrechen. Aber die Eltern haben Kasachstan verlassen, damit es ihre Kinder einmmal besser haben.
Und nun sind sie hier, in jener Fremde, die mit dem erträumten Märchenland nichts gemein hat.
Jana Matthes und Andrea Schramms kleiner, leiser Dokumentarfilm kreist um den 15jährigen Juri, einen freundlichen, stillen, ernsthaften Jungen, Sohn von deutschen Eltern, der nur Russisch sprach, als er vor fünf Jahren aus Kasachstan kam, wo er als "Faschist" beschimpft wurde. Hier heißt er "der Russe".
Wer ist er wirklich, wo ist er zuhause? Wie kann er zu sich finden zwischen Heimweh, Berliner Osten, der Clique seiner Freunde, den Deutschen drüben jenseits des Weges?
Behutsam und voller Zuneigung beobachten die beiden Filmemacherinnen den jungen Mann, zitieren aus seinen Briefen an den Freund in der alten Heimat, lassen ihn seine kurzen, prägnanten Beobachtungen über die Menschen in Berlin formulieren: "Sie gehen auf die Straße und sprechen mit ihrem Hund." Schließlich begleiten sie ihn und seine Mutter bei einem Urlaub im alten, 6.000 Kilometer entfernten Zuhause. Endlose Straßen, flache Landschaft bis zum Horizont, bittere Armut und Tränen der Freude. Dieser Ausflug erzählt mehr als viele Worte: die andere Kultur, die andere Art, wie die Menschen miteinander leben, die Unwichtigkeit von Geld und Luxus. Und Juri singt zur Gitarre seine herzzerreißenden Lieder, die suggestivsten Botschafter seiner Heimat. Der Film wechselt ruhig und geschickt die Perspektive, mal schaut er mit den Augen der Fremden auf die Deutschen, mal umgekehrt. und wenn am Schluss die deutschen Jugendlichen sagen, sie hätten die Nase voll von der verordneten deutsch-sowjetischen Freundschaft, einer dann doch ein paar Sätze Schul-Russisch auspackt und eine Russin ins Deutsche übersetzt, zeigt sich ein Stück Hoffnung.
Vielleicht lernen sie doch noch, miteinander zu reden, zu leben, ihre Vorurteile abzubauen. Der Film mit seinen weichen, unaggressiven Bildern tut das Seine dazu.
Mechthild Zschau
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