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"Eine Chance für Diebe und Mörder"
Frankfurter Rundschau vom 24.2.2001:
... Es ist ein offenes Geheimnis, daß der Jugendknast meist keine Wiedereingliederung in ein sinnvolles Berufs- und Altagsleben leistet. Eine Strafanstalt ist zum Strafen da, Kriminelle werden weggeschlossen, um die Gesellschaft vor ihnen zu schützen. Punkt.
Jana Matthes und Andrea Schramm haben nun einen Film über den Gefängnispsychologen Michael Heilemann und seine Kollegin Gabi Fischwasser gedreht. Sie wollen die harten Jungs in Hameln zu besseren Menschen erziehen. ...
In ihrer anderthalbstündigen Reportage ergreifen die Filmemacherinnen Partei für die Psychologen, die mit ihrem Anti-Aggressions-Training selbst erbarmungslosen Schlägern eine Zukunft eröffnen möchten. Eine Zukunft, in der sich nicht jeder fürchten muß, der ihnen harmlos auf der Straße begegnet. Aber auch eine Zukunft, in der die Täter selbst wieder in den Spiegel schauen können.
Heilemann und Fischwasser stoßen mit ihren unkonventionellen Methoden an die Grenzen der Knasthierarchie. Im Film wird geschildert, wie ihnen permanent Steine in den Weg gelegt werden. Insofern ist den beiden Fernsehmacherinnen ein Lob auszusprechen, sie haben sich nicht von institutionellen Zwängen verunsichern lassen, sondern ihren Film unbeirrt weitergedreht. Gnadenlos ist ein Film mit dem sich das öffentlich rechtliche Fernsehen schmücken kann. Ein Film, der Mißstände aufdeckt und sich kritisch positioniert.
Matthes und Schramm haben drei Straftäter über ein Jahr filmisch begleitet: Jens, der einen Spaziergänger über zugerichtet hat, Nils, der für 1.000 Mark einen Mord begehen wollte und Scheich, der durch eine Scheinhinrichtung von sich reden machte. Alle drei müssen sich vor der versammelten Mannschaft von eigens zu diesem Zweck eingeladenen Studenten, Sozialarbeitern und ehemaligen Schlägern, zu ihrer Tat bekennen. Heilemanns Begründung: Sie haben ihre Tat öffentlich begangen, sie müssen sich auch öffentlich distanzieren.
Die Autorinnen filmen Gruppensitzungen, in denen sich die Psychologen als gnadenlos entpuppen. Sie demontieren das Selbstbild der Jugendlichen, kehren deren Innerstes nach außen, fördern verborgene Verletztheiten zutage. Erst wenn sie sich vor ihren eigenen Taten ekeln und sich bei ihren Opfern entschuldigen, geben sich die Psychologen zufrieden. doch am Ende scheitert das Projekt nicht an den harten Jungs, sondern an der verkrusteter Beamtenmentalität.
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