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Eine Katze mit vielen Köpfen
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.7.2007:
Wenn Adil versucht, in Worte zu fassen, wie er seit dem Beginn der Blutrache versucht, dem Tode zu entkommen, erzählt er die alte kurdische Geschichte von der Katze und der Maus: "Komm aus deinem Versteck heraus und laufe zu einem anderen Loch. Du bekommst dafür ein Goldstück von mir. Doch die Maus kennt die Katze: Sobald sie ihr Loch verlässt, wird sie gefressen." Die Katze, sagt Adil M., hat viele Köpfe: manchmal mache sie sich unsichtbar, doch weit weg sei sie nie wenn der Kurde von der Katze spricht, meint er die Familie seines ehemaligen Schwagers.
Seit mehr als dreißig Jahren lebt die Familie von Adil M. in Bielefeld, seitdem seine Schwester Gülnaz sich nach zweiundzwanzig Jahren von ihrem prügelnden Ehemann scheiden ließ und Adil M. sie dabei unterstützte, fürchtet er um sein Leben. Einmal schon wurde auf ihn geschossen; nur die kugelsichere Weste, zu der ihn seine besorgte Frau zuvor überredet hatte, rettete ihn vor dem sicheren Tod.
... Den beiden Filmemacherinnen ist mehr als nur ein beklemmendes Porträt einer bedrohten Familie gelungen. Der Film forciert, ja fordert geradezu einen Perspektivenwechsel in der Debatte um Integration und Parallelgesellschaft heraus: Die Vorstellung, dass der Graben immer zwischen Deutschen auf der einen und Migranten auf der anderen Seite verläuft, fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Denn hier existiert keine Einstellung gegenüber dem Gastland, in der sich alle Mitglieder des Familienclans wiederfinden. Der fundamentale Riss zwischen kurdischer Tradition und westlichen Wertevorstellungen geht vielmehr durch die Familien selber; eindrucksvoll zeichnen Matthes und Schramm die unterschiedlichen Lebensentwürfe der Familienmitgleider nach. Eine Stärke des Films ist, dass sie dabei meistens auf eigene Kommentare verzichten. ...
Kilian Trotier
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